Verdattert

Aus dem Gleichgewicht und wieder zurück!

[Verdattert]

aus dem Gleichgewicht/der Fassung gebracht, außer Fassung, [baff] erstaunt, bestürzt, durcheinander, entgeistert, fassungslos, ...
Quelle: Duden

 

Twitter: Ganz nah am Amoklauf

Von Sebastian am 14. März 2009 - 4 Verdatterte

Herje. In den USA ist es bereits üblich dass sich Ereignisse am schnellsten per Twitter verbreiten. Meistens von Leuten die mit deutlich zu viel (Frei)Zeit in ihrem Berufsleben gesegnet sind.

Btw fällt mir da auf, dass es oft Mitarbeiter von Werbeagenturen oder ähnlichem sind. Da sollten manche Kunden mal was besser die Abrechnungen checken.
Aber nun hat auch Deutschland seinen Twitterfall: Winnenden.

Twitter in Winnenden

Twitter in Winnenden (Quelle BR-Online)

Um 10:37 Uhr am Mittwoch schrieb die Twitterin tontaube:

ACHTUNG: In der Realschule Winnenden gab es heute einen Amoklauf, Täter angeblich flüchtig – besser nicht in die Stadt kommen!!!!

6 Minuten später kommt ein

@IMBild Keine weiteren News, sitze hier im Büro im Bahnhof Winnenden, Polizei ist mit vielen Autos und Hubschrauber unterwegs. #winnenden

Und zack: Da sieht  man schon die “Sensationslust” im Detail. Schließlich twittert man nicht einfach aus Spaß an der Freud. Mit #winnenden fügt hier Tontaube ganz unverfänglich und total zufällig ein Suchwort ein. Ein Twitter-Tag. Das kann man dann per http://search.twitter.com suchen und nur für den absurden Fall, dass das jemand am Mittwoch getan hätte (wer käme denn auf sowas?!) würde Tontaube wohl als eine der ersten erscheinen.

Um 11:53 schreibt tontaube dann:

Liebe Presse: ich weiss doch auch nichts von dem Verrückten… #winnenden #amok

Man kann die Verzweiflung quasi aus den paar Zeilen, mit zitternder Hand geschrieben, rauslesen. Aber für ein neues Suchwort (#amok) hat es in der Not noch gereicht.

Twitter ist eine feine Sache, ohne Frage. Über Sinn und Unsinn von Posts wie “Trinke gerade Kaffee. Lecker!” kann man sich zwar sicher streiten, aber es ist ein schöner Ersatz des alten “Amateurfunks” und bietet manchmal auch jedem seine 15 Minutes of fame.

Schlimm nur, wenn sich Journalisten in ihrer Not immer “Erster” sein zu müssen (arme Frauen die mit Journalisten Beischlaf haben) wirklich an jeden Grashalm klammern. Die BILD-Handyreporter lassen grüßen.

Casi von Zeipunktnull hat das ebenfalls aufgegriffen und noch mit ein paar interessanten Umfragen versehen. Auch dazu schnattert das sozialgeschnatter über einen Stern-Artikel, der sehr gut zum Thema passt. Stern lese ich prinzipiell nicht, daher kann ich da wenig zu sagen.

BR-Online schreibt in seinem Blog, wie gerne Tontaube wieder zu ihrem normalen Leben zurückkehren möchte:

“tontaube” möchte also wieder zu ihrem Alltag zurückkehren – die Anfragen von Journalisten nerven sie. Leicht dürfte das nicht werden, denn bis heute ist auf ihrem Twitter-Account ihre private Homepage verlinkt. Mit vollem Namen, Geburtsjahr und kurzem Lebenslauf. Diese Angaben wird das Internet noch in einigen Jahren mit dem Attentat von Winnenden in Verbindung bringen.

Ich würde sagen: Einfach mal weniger Suchworte reinballern, dann klappt das auch mit der Ruhe. Ich will aber auch nicht ungerecht oder anmaßend sein. Es ist voll ok wenn jeder seine Möglichkeiten nutzt um seine Ziele zu erreichen. Ich will tontaube auch keine Heuchlerei unterstellen, nur der Ruf nach Ruhe wäre wohl nicht nötig gewesen, wenn man zumindest die Rauten (#) weggelassen hätte …

4 Verdatterte zu “Twitter: Ganz nah am Amoklauf”

  1. Ganz so vorwurfsvoll würde ich es nicht formulieren – Der Satz ging zwar über Twitter in die Welt, dass sie ihre Ruhe möchte, richtete sich aber an die Presse, die sie per Twitter, Handy und sonst wie um Interviews gebeten hat. Wenn ich während eines solchen Ereignisses einen Tweet von unterwegs absende, kann ich vermutlich auch keine Homepage mehr so präparieren, dass ich einigermaßen anonym bleibe – zumal ein Impressum ja eh Pflicht ist. Glaube ich tatsächlich nicht, dass es Natali um ihre 15 Minuten Ruhm ging.

    Casi

  2. @Casi:

    Sorry wenn es als “Vorwurf” rübergekommen ist. Ich dachte halt nur an die zweite Seite der Medaille. Der erste Aufruf war ja auch irgendwie logisch und auch das Bedürfnis über das Vorgehen zu schreiben kann ich nachvollziehen. Was ich halt nur komisch finde sind die Twitter-Tags. Das hat so ein bisschen was von “Look at me …”.

    Es ist ein Thema, das mir bei sozialen Netzwerken immer wieder auffällt – die Reich- und Tragweite meines Handelns wird manchmal nicht bis zu Ende berücksichtigt. Ist ja auch schwer und das hier war/ist ein gutes Beispiel.

    Sebastian

  3. I guess finding ufesul, reliable information on the internet isn’t hopeless after all.

    Brandice

  4. ZjwM1G rfcrazxcbpjr

    wcntwyy

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