Killt die Killerspiele!
Von Sebastian am 14. März 2009 - Keine weiteren VerdattertenWegen Arbeitsstreß konnte ich letzten Mittwoch erst am frühen Nachmittag einen Blick in die Newsfeeds werfen. Was ich da las schockierte und verunsicherte mich gleichermaßen.
Wieder einmal. Wieder fühlte sich ein Jugendlicher nicht verstanden, verletzt, gehetzt und sah für sich nur noch den Weg mit der Waffe für seine – ganz eigene – Gerechtigkeit zu sorgen. Das ist schrecklich!
Im Nachgang des Ereignisses nutzten dann Politik- wie Medienvertreter jede Chance sich in einem eher weniger guten Licht zu präsentieren. Reflexartig wird nach mehr Verboten gefordert. Weil mehr Verbote die Welt sicherer und uns allen zu glücklicheren Menschen machen. “Muss man nicht das Waffengesetz verschärfen?”, “Aus Schulen Hochsicherheitszonen machen?”, “Killerspiele verbieten?”, “Eltern entmündigen?” – Hauptsache Gesetze die etwas verbieten oder mehr einschneidend als hilfreich in unser aller Leben eingreifen.
Ich verstehe das einfach nicht. Wird dieser Mist immer direkt gefordert weil es das “einfachste” ist was geändert werden kann? Kann man sich dann später damit brüsten, dass man diese und jene Gesetzesverschärfung durchgedrückt hat, die dann 5 Jahre später eh wieder verpufft?
Selbst wenn der Vater von Tim K. alle seine Waffen weggeschlossen hätte … die Familie lebte als Familie. Der Sohn war unauffällig und nachdem was man bisher weiß, war die Familie auch im Lot. Also was man heute im Lot nennt. Ich glaube es ist eher natürlich, dass Pappa seinem Sohn nach 17 Jahren vertraut und sicherlich wusste er auch wie er sonst Zugang zu den Waffen bekommt. Heute hörte ich hier in Bayern die schrägste Forderung im Radio: Sportschützen sollen Ihre Munition künftig bei der Polizei lagern. Wenn sie schießen gehen können sie die Munition abholen, danach dann aber bitte schleunigst zurückbringen. Genau. Muss ich mein Auto demnächst auch dort sicher verwahren lassen?
Hanno Zulla hat in seinem Blog eine Satire (leider ist es nicht wirklich eine) über den medialen Ablauf des Ereignisses geschrieben. Es ist manchmal wirklich lächerlich was wir da an Berichterstattung erleben müssen. Hauptsache erster. Hauptsache die ersten, besten, schnellsten News! Ob korrekt oder nicht – egal, Hauptsache schnell!
Da kann es dann auch schon mal passieren, dass zu früh berichtet wird der Täter hätte seine Tat in einem Forum angekündigt. Von dem Forenadmins direkt dementiert (die es ja Dank Speicherung am besten wissen müssen), aber trotzdem brühwarm auf der Pressekonferenz aufgetischt. Die größte Schuld des Polizeipräsis hier ist es wohl, sich von der Presse hetzen zu lassen. Daher habe ich auch schon viel, viel früher mit dem Reflex “Der spielt doch 100% diese mörderischen Killerspiele!” gerechnet. Na ja, das haben wir ja nun auch.
War ja auch zu erwarten. Vorgestern sah ich ein Interview mit dem früheren besten Freund des Täters, der sich schön wirksam vor seinem Bildschirm mit Counter-Strike Hintergrund in Pose setzte. Oder besser hat setzen lassen. Am Ende hatten die Journalisten noch eine CD mit CS-Source dabei, installierten sie schnell und meinten dann: “Hier, setz Dich mal davor! Kriegst auch 200 Euro mehr!” Wer weiß ob es so war, überraschen würde es mich nicht.
Das Waffengesetzt wird sicher nicht angepackt. Die Schützenvereine vereinen schließlich eine immer noch relvante Gruppe schwarzer Wählerschaft. Ok, dann ran an die Killerspiele! Huch, inzwischen hat auch die Spieleindustrie eine Lobby. Man verdient damit viel Geld und das führt auch zu Einfluß. Mhh, ob man hier wirklich noch was machen kann?
Bleiben die Schulen. Genau! Die machen wir zu! Oder halt mit Sicherheitstüren und Metalldedektoren. Und Wachschutz. Genau, so machen wir das.
Aber was, wenn in 2 Jahren dann jemand in ein Einkaufszentrum rennt oder in einen Schulbus stürmt um dort seine eigene Gerechtigkeit zu suchen? Dann machen wir die auch dicht! So einfach geht das doch.
Zum Glück hört man zwischendurch auch mal “Experten”, die den wahren Gründen nachgehen wollen. “Hört Euren Kindern besser zu.”, “Kümmert Euch um Eure Klassenkameraden und Freunde.” – wenn man sich hierauf konzenrtieren würde, dann könnte unsere Welt wirklich etwas besser werden …


Auch verdattert?