Geh raus, umarme jemanden. Du wirst länger leben.
Von Sebastian am 23. Februar 2009 - 2 VerdatterteDas ist die Conclusio vom Register auf die Studie Well connected? The biological implications of ‘social networking’ im Journals des britischen Instituts für Biologie.
Darin stellt Dr. Aric Sigman die These auf, dass die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken den Menschen zunehmend isoliert. Die Folgen sieht er in einem erhöhten Auftreten von Krebs, Demenz, Herzinfarkten, Lupus und eine menge anderer unschöner Krankheiten.
In den letzten zwei Dekaden soll sich so die Zahl der Leute verdreifacht haben, die angeben sie hätten niemanden mit dem sie ernstahft über wichtige Themen oder Probleme reden könnten. Als Ursache nennt Dr. Sigman die extensive Nutzung von sozialen Netzwerken und den damit verbundenen schwindenen direkten, persönlichen Kontakt. Selbst Paare, so Sigman, würden häufig zwar zusammen leben und wohnen, aber oft verbringen sie dabei viel Zeit in unterschiedlichen Räumen und nutzen jeder für sich unterschiedliche elektronische Geräte. Auch meist zur Kommunikation – aber eben nicht miteinander.
Das würde auf lange Sicht krank machen.
Wenn ich mir mal meine direkte Umwelt und meine Erfahrungen mit sozialen Kontakten über das Netz anschaue, dann kann ich die Beobachtungen nicht ganz von der Hand weisen. Die sozialen Kontakte die ich bisher direkt oder indirekt miterlebt habe, hatten meist wirklich etwas sehr, sehr oberflächliches. Teilweise war ich selber aber auch erstaunt, wie schnell man zu intensiven Themen kommt (persönliches Unglück, Stimmungslagen, schlechte Erlebnisse im Bekannten-/Freundeskreis, …), die man sonst wohl nicht nach einer Stunde normalem Gespräch angeschnitten hätte. Ich habe mich selber auch schon gefragt woran das liegt. Ich denke es ist eine Mischung aus der Einfachheit der Kommunikation und dem gewissen Maß an Anonymität. Damit meine ich nicht Anonymität im Sinne von etwas vorgeben zu können was nicht der Wirklichjeit entspricht, sondern das ich mir die Reaktionen, den Tonfall, die Mimik meines “Gesprächs”partners denken muss. So kann ich mir das natürlich auch zu gewissen Teilen schönreden. Eine Antwort wird “weicher” gelesen als sie geschrieben wurde. Ich stelle mir den Gesprächspartner immer interessiert vor obwohl ich ja gar nicht weiß, ob er nicht nur drauf wartet einen Grund zu finden das Gespräch zu beenden.
Erschreckt war ich sogar teilweise, wenn dann solche Gespräche beendet waren, man den Rechner ausmachte und – schwups – alles irgendwie vergessen war.
Ob das nun in dem von Dr. Sigman beschriebenen Maße krank macht kann ich natürlich nicht beurteilen, dass es sich aber nicht schön “anfühlt” und kein Ersatz für tatsächliche soziale Kontakte ist, würde ich sofort unterschreiben.
Beispiel von mir aus den letzten Tagen: Krank zu Hause, Frau in Köln Karneval feiern, also ich den ganzen Tag alleine in der Bude. Natürlich war den ganzen Tag der Rechner/ Laptop an, natürlich habe ich ICQ, skype, Jabber und das auch fleißig genutzt, aber ich bin heilfroh wenn ich morgen wieder raus und unter Menschen komme.
Auch das “getrennt” vom Partner surfen und leben kann ich bei mir selber, aber auch bei vielen Freunden beobachten. Allerdings bin ich mir hier nicht sicher ob das etwas neues und schlechtes ist oder sein soll. Früher ging der “Mann” Abends in die Kneipe, oder in den Keller zu seiner Modelleisenbahn, oder setzte sich vor sein Briefmarkenalbum oder oder oder – heute hockt er sich halt 1-2 Stunden vor die Kiste – und die Frau macht das auch statt zu stricken, nähen – was weiß ich?!
Unrecht hat Dr. Sigman in meinen Augen also in Summe nicht. Mich würde interessieren wer seine Nutzung von sozialen Netzwerken oder die Kommunikation in Online-Spielen schon mal ähnlich hinterfragt hat und dabei zu ähnlichen Ergebnissen gekommen ist.
Also kann ich den O-Ton im Register nur unterstützen:
In other words, skip that next Tweet, postpone polishing your LinkedIn profile, put off updating your Facebook status, and go hug someone.
You’ll live longer.
In diesem Sinne: Gute Nacht!


Ja, sowas hab ich auch schon oft gemerkt und mich dabei immer gefragt ob das so gut ist. Wirklich Hammer wie schnell man beim chatten wirklich bei eigentlich vertraulichen Themen ankommt und wie schnell das dann auch wieder vorbei ist. Ein wirklich gutes Gefühl bleibt da am Ende eigentlich nie *schade*
Heike
23. Februar 2009
Ich denke, dass es ein schwieriges Thema ist. Ich würde Dr. Sigman auch teilweise zustimmen. Ich halte es nicht für falsch, wenn man öfters im Internet Bekanntschaften macht und auch einfach über Themen spricht, die man vielleicht sonst nur mit sehr guten Freunden bespricht. Oft hilft aber die Anonymität, einige Probleme wirklich anzusprechen. Was aber wichtig ist, ist das man eine gute Mischung zwischen online- und realen Kontakten hat. Reale Freunde sind durch nichts zu ersetzen und verhindern meiner Meinung nach auch die angesprochene Vereinsamung.
Flüge Australien
5. Mai 2009